Erster comm.focus setzt Impulse für die Behördenkommunikation
Wie erreicht Behördenkommunikation die Menschen in einer zunehmend fragmentierten Öffentlichkeit? Und was braucht es, damit sie auch unter veränderten Bedingungen Orientierung gibt und Vertrauen stärkt? Diesen Fragen widmete sich der erste comm.focus Behördenkommunikation am 29. Oktober 2026 im Kongresshaus Zürich. Die ausgebuchte Veranstaltung brachte Fachleute aus Behörden, Wissenschaft, Medien und Kommunikation aus der ganzen Schweiz zusammen.
Regierungspräsident Martin Bühler vom Kanton Graubünden eröffnete den Veranstaltungstag mit einer politischen Einordnung der aktuellen Herausforderungen. Anschliessend beleuchteten der Autor und Publizist Roger de Weck, Dr. Michael Hermann von Sotomo und Prof. Dr. Mark Eisenegger vom fög, Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich, den Wandel der Informationsgesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven.
Im Zentrum standen die veränderte Mediennutzung, die zunehmende Fragmentierung der Öffentlichkeit und die Frage, wie Kommunikation unter diesen Bedingungen weiterhin Orientierung schaffen kann. Menschen informieren sich über immer unterschiedlichere Kanäle, gemeinsame Bezugspunkte schwinden. Damit steigen die Anforderungen an eine glaubwürdige, verständliche und wirksame Kommunikation.
Über Mittag bot der comm.focus Raum für persönliche Begegnungen, vertiefende Gespräche und den Erfahrungsaustausch zwischen Kommunikationsverantwortlichen verschiedener Staatsebenen und Organisationen.
Forschung trifft Praxis
Am Nachmittag gaben Prof. Dr. Mark Eisenegger und Prof. Dr. Julia Krasselt von der ZHAW Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse zur Mediennutzung und zum Informationsverhalten der Bevölkerung.
In den anschliessenden Praxis-Sessions rückte die konkrete Anwendung in den Vordergrund. Dario Wellinger von der Fachhochschule Graubünden stellte Tools und Anwendungsmöglichkeiten für die Behördenkommunikation vor. Christoph Caviezel von der Wirz Group AG zeigte, welche Mechanismen aus Marketing und Kampagnenführung sich für die öffentliche Kommunikation nutzen lassen. Paul Meyrat von der Stadt Zürich veranschaulichte am Beispiel von Amtfluencern, wie neue Zugänge für den Dialog zwischen Behörden und Bevölkerung entstehen können.
Den fachlichen Schlusspunkt setzten Prof. Dr. Peter Stücheli-Herlach und Dr. Stephan Rösli vom Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW. In ihrem Schlussimpuls «Professionalisierung politischer Kommunikation in der Schweiz: Bilanz und Ausblick» ordneten sie die Entwicklungen der vergangenen Jahre ein und zeigten auf, welche Anforderungen künftig an die professionelle Kommunikation öffentlicher Institutionen gestellt werden.
Drei Learnings für die Behördenkommunikation
Aus den Referaten, Forschungsergebnissen und Diskussionen lassen sich drei zentrale Erkenntnisse ableiten:
- Verstehen, wie Menschen sich informieren und erreicht werden können.
Wirksame Behördenkommunikation setzt voraus, die Mediennutzung der Bevölkerung zu verstehen: Welche Kanäle werden genutzt? Wo entstehen gemeinsame Bezugspunkte? Und wie lassen sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen? - Kommunikation als Teil der strategischen Führungsarbeit verankern.
Kommunikation sollte Entscheide von Beginn an begleiten und in die strategische Führungsarbeit einfliessen. Nicht erst dann, wenn Entscheide bereits gefällt sind und vermittelt werden sollen. - Neue Ansätze zulassen und Kompetenzen weiterentwickeln.
Veränderte Informations- und Medienrealitäten verlangen Offenheit für neue Instrumente, Formate und Formen des Dialogs. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft, bestehende Ansätze zu hinterfragen und kommunikative Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln.
«Der comm.focus hat gezeigt, wie wichtig der Austausch über die eigene Organisation hinaus ist. Wir begleiten den Wandel der Kommunikation aktiv, setzen neue Impulse und schaffen eine Plattform, die weit über einzelne Anlässe hinaus Wirkung entfaltet», sagt Daniel Camenisch, Initiator der Commsummit Schweiz.
Die Gespräche und Diskussionen während des gesamten Veranstaltungstags zeigten, wie gross das Bedürfnis nach Austausch, Einordnung und neuen Impulsen für die Weiterentwicklung der Behördenkommunikation ist.
Fortsetzung 2027
Der nächste comm.focus findet am 8. April 2027 in Zürich statt und widmet sich der Krisenkommunikation. Im Zentrum stehen Orientierung, Haltung und Handlungsfähigkeit sowie die Frage, wie sich Organisationen auf Krisen vorbereiten und auch unter hohem Druck glaubwürdig, verständlich und handlungsfähig kommunizieren können.
Am 7. und 8. Oktober 2027 folgt mit dem zweitägigen comm.summit in Davos der nationale Fachkongress zur Zukunft der Kommunikation.


