Mediennutzung 2026: KI wird zum neuen Zugangstor für Information
Die Schweizer Mediennutzung verändert sich schneller als viele Kommunikationsstrategien. Der IGEM-Digimonitor 2026 zeigt besonders deutlich: Künstliche Intelligenz ist endgültig im Alltag angekommen. Gleichzeitig bleiben digitale News stark, Social Media gewinnt insbesondere bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung und Streaming verändert die Nutzung etablierter Medien weiter.
Vier von fünf Menschen nutzen bereits KI
Der vielleicht bemerkenswerteste Befund der Studie: 80 Prozent der internetnutzenden Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren verwenden inzwischen KI-Tools. 2024 waren es erst 40 Prozent. Bei den 15- bis 34-Jährigen liegt die gelegentliche Nutzung bereits bei 91 Prozent.
ChatGPT führt mit Abstand: 67 Prozent der Bevölkerung nutzen die Plattform zumindest gelegentlich. Doch entscheidend ist nicht nur die Reichweite, sondern die Art der Nutzung. KI wird zunehmend zum Werkzeug für Recherche, Lernen, Produktinformationen und Entscheidungsfindung. 57 Prozent verwenden KI-Plattformen bereits gezielt für die Suche. Noch verbreiteter ist mit 77 Prozent die Nutzung von KI-Funktionen innerhalb klassischer Suchmaschinen.
Damit entsteht eine grundlegende Verschiebung: Menschen gelangen immer häufiger nicht mehr direkt über Websites, Medien oder Social-Media-Kanäle zu Informationen. Dazwischen schiebt sich eine neue Ebene, die Inhalte sucht, gewichtet, zusammenfasst und einordnet.
Digitale News bleiben stark, die Zugänge verändern sich
Gleichzeitig ist von einem Bedeutungsverlust journalistischer Medien keine Rede. 93 Prozent nutzen Nachrichten auf Medien-Websites oder in Apps, mehr als die Hälfte täglich.
Allerdings unterscheiden sich die Informationswege zunehmend nach Generation. Bei den 15- bis 34-Jährigen nutzen 31 Prozent Social Media täglich für Nachrichten zum aktuellen Zeitgeschehen. Für 13 Prozent dieser Altersgruppe sind soziale Netzwerke sogar die einzige Newsquelle.
Die Herausforderung für Kommunikation lautet deshalb nicht einfach «digitaler werden». Kommunikation muss vielmehr verstehen, wo, wie und in welchem Kontext Menschen Informationen heute tatsächlich finden.
Was bedeutet das für strategische Kommunikation?
Der IGEM-Digimonitor macht deutlich, dass sich Reichweite neu organisiert. Neben klassischen Medien, Websites und Social Media treten KI-Systeme zunehmend als Vermittler zwischen Organisation und Öffentlichkeit.
Für Kommunikationsverantwortliche stellen sich damit neue Fragen:
- Werden unsere Inhalte von KI-Systemen überhaupt gefunden und richtig eingeordnet?
- Sind Informationen so klar, glaubwürdig und strukturiert, dass sie auch ausserhalb des ursprünglichen Kanals funktionieren?
- Welche Rolle spielen Medien, Social Media, Suchmaschinen und KI künftig im Zusammenspiel?
- Wie entsteht Vertrauen, wenn immer mehr Information algorithmisch vermittelt und zusammengefasst wird?
Die Antwort darauf kann nicht darin bestehen, jedem neuen Kanal hinterherzulaufen. Gefragt ist eine Kommunikationsstrategie, die Inhalte, Reputation, Technologie und Vertrauen zusammendenkt.
Genau darüber müssen wir sprechen
Diese Veränderungen bilden auch einen zentralen Hintergrund für den comm.summit. Der Schweizer Fachkongress bringt Kommunikationsverantwortliche aus Wirtschaft, Politik, Medien und Gesellschaft zusammen, um die grundlegenden Veränderungen unserer Öffentlichkeit zu diskutieren.
Denn KI verändert nicht nur unsere Werkzeuge. Sie verändert, wie Öffentlichkeit entsteht, wie Informationen gefunden werden und wer oder was darüber entscheidet, welche Botschaften überhaupt sichtbar werden.
Der IGEM-Digimonitor 2026 liefert dafür eindrückliche Zahlen. Am comm.summit geht es um die nächste Frage: Was folgt daraus für professionelle Kommunikation?




